Drohnenflüge, Teatime und Punkrock beim Pecha-Kucha-Abend der Kultur

Nach sechseinhalb Minuten klingelte bei jedem Beitrag die Eieruhr: Rund 60 Besucher erlebten beim dritten Pecha-Kucha-Abend der Kultur Witziges, Ideenreiches und eben „Abgedrehtes“.

Die Kunsttherapeuten der Gruppe von Dr. Anne Wilkening machten den Anfang: Drei von ihnen stellten in einem Film psychisch labile Menschen vor, die unter ihrer Betreuung über die eigene Kreativität zu neuer Lebensfreude finden und ihre Werke auch ausstellen, wie etwa unlängst im Rathaus in Garbsen. Einige der dabei entstandenen, teils professionell wirkenden Arbeiten hatten die Künstler auch mitgebracht und stellten sie auf der Bühne aus. Für die Filmkunst abseits des Mainstream engangiert sich Johannes Thomsen mit seiner Frau Wiebke im kleinsten Kino der Welt, dem Lodderbast, der als Zweiter auftrat. Das Paar zeigt dort an fünf bis sechs Tagen in der Woche nach eigenem Geschmack ausgewählte Perlen aus Filmkunst und Genrekino. Die Konkurrenz großer Programmkinos bereitet Thomsen keine Sorgen, wie er berichtete – im Gegenteil: „Wir gehen auch mal mit unseren Gästen mit einem Wegbier in der Hand rüber zum Raschplatzkino, wenn dort ein Film läuft, den wir wichtig finden.“ Kooperationen etwa mit der Eisfabrik und dem Hofer Filmtagen bereichern das Angebot. Und regelmäßig sind zudem Filmregisseure in dem nur 20 Plätze umfassende „Wohnzimmer“ an der Berliner Allee zu Gast, um ihre Werke vorzustellen. Das „House of Many“, die Aktivitäten junger theaterbegeisterter MigrantInnen, wurde anschließend von der Dramaturgin und Leiterin des Jungen Schauspiels Barbara Kantel präsentiert – eine Initiative, zu der sie alle Zuschauer und Interessierten herzlich einlud mitzumachen. Die jungen Leute wählen ihre Themen selbst und bearbeiten sie musikalisch, mit Texten und in philosophischen Vortägen auf einer Open Stage.

In der Pause servierten Frauen des Soroptimist Club Hannover 2000 Handhäppchen auf „abgedrehten“ Singles zugunsten des Ballhof-Cafés. Zu Beginn des zweiten Teils sprintete Thommi Baake mit einem antiken weißen Koffer auf die Bühne, aus dem er anstelle von virtuellen Bildern allerlei Utensilien zur Veranschaulichung seiner zahlreichen Bühnenaktivitäten zauberte – eine „analoge Power-Point-Präsentation“, wie er es nannte. „Alles außer Ballett und Kunst“ macht er nach eigener Aussage – und das scheint nicht übertrieben: Im schrillen rit-weiß gemusterten Anzug absolvierte der Comedian einen Sechs-Minuten-Ritt durch sein beeindruckendes Bühnenleben der vergangenen rund 30 Jahre. Die letzten Minuten seiner Präsentation nutzte er allein für eine schier endlose Aufzählung seiner bislang vollführten Tätigkeiten – Teeologe und Filmverführer waren nur zwei davon.

Sein bürgerlicher Beruf als Pressesprecher von Enercity ist nur eine Seite von Carlo Kallen: Dear Gründer der Punkrockband Brutal verschimmelt und Autodidakt an Bass und Schlagzeug definiert seinen wichtigsten Beitrag weniger über sein Talent an den Instrumenten denn über das „grimmig Gucken“ an den Drums. Seine in Kempten in früher Jugend gegründete und wenig später aufgelösten Punkband erlebte 2014 ein Revival, man ging sogar auf Tour. Auf einmal, so berichtet Kallen, kursierten Videos und Aufnahmen alter Songs im Netz, die LP wurde zur gesuchten Rarität und das Band-Logo wurde von einer Münchner Band als „Brutal verbimmelt“ zu einer Hommage an die Hobbymusiker und ziert nun T-Shirts, wie Carlo am eigenen Leib demonstrierte. Nach Re-Release alter Songs auf Samplern in den vergangenen Jahren steht nun der nächste Auftritt mit seiner neuen Band TLR auf dem Fährmannfest (9.–11. August) an. Den Abschluss bildete Profifotograf und Kameramann Nikolaj Georgiew. Für Starregisseure wie Oliver Stone oder Wolfgang Petersen hat der gebürtige Garbsener technisch anspruchsvolle Kamerafahrten und -aufnahmen in allen Teilen der Welt abgedreht. Begonnen hat die Karriere beim Film Ende der 1990er-Jahre mit dem Aufstieg der damals aufwendig gedrehten und hoch budgetierten Musikvideos, die er etwa für Ex-Spice-Girl Melanie C. oder die Scorpions drehte. Beispiele von Georgiews teilweise atemberaubenden Shootings waren in einem Film mit Ausschnitten aus seinen unzähligen Produktionen für Werbung, Kino und TV zu sehen, den er für die Zuschauer kommentierte. Zur Fotografie ist Georgiew, der in den 90er-Jahren regelmäßig für die Cover des Magazins „Schädelspalter“ verantwortlich zeichnete, erst in den vergangenen Jahren wieder zurückgekehrt. Models oder Promis stehen seit nun wieder regelmäßig vor seiner Linse. So erzählte er, wie Rudolf Schenker etwa bei einem Fotobuch mit Promis mit ihren Hunden – darunter etwa Ursula von der Leyen, Johann Lafer oder Rudolf Schenker – wobei Letzterer sich mit seinem Kater ablichten ließ, der sich nach Schenkers Aussage „für einen Hund hält“.
Moderiert wurde die Veranstaltung von der Vorsitzenden des Vereins, Vera Brand. Ein rundum beeindruckender Abend – das war die einhellige Meinung der Zuschauer und auch der Beteiligten. Viele Kontakte wurde an diesem Abend geknüpft und vertieft. Das Format, so war zu hören, hat weitere Fans gefunden – und soll auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Kathrin Symens

Werbeanzeigen

Erste Kulturperle 2019 führte nach Springe

Paradiesschmiede und Bläser satt

Unser erster Kulturperlen-Ausflug im Jahr 2019 führte uns zu dem Schmiede- und Ideenkünstler Andreas Rimkus. Bei schönstem Sonnenschein nahm Andreas Rimus die 19 Teilnehmer mit auf seinen Ideenparcours durch die Natur, die bereits auf dem Weg zu seinem Haus entlang zahlreicher Objekte führt – die voller ganz unterschiedlicher Erfahrungen, Ideen und Geschichten stecken. Vorbei an etwa dem Apfelgarten mit von den Paten geschmiedeten Baumhaltern, Hochzeitsort und Sortenbewahrungsreservat ging es durch seine Freilichtgalerie. Dort begegneten die Besucher etwa einer Trojanischen Kuh aus Holz, einer skurrilen „Dampfmaschine“, einer mobilen Schmiedewerkstatt und sogar einer nachgebauten afrikanischen Dorfschmiede. Rimkus hat sich der Bewahrung des aussterbenden Handwerk des Schmiedens verschrieben, berichtet, für das er in internationalen Projekten etwa gemeinsam mit den Bewohnern des Schmiededorfes Yohonou im afrikanischen Togo eintritt, für das er einen überdimensionalen Hammer schmieden und nach Togo transportieren ließ – als Teil eines internationalen Projekts auf allen Kontinenten mit einem Hammer-Exponat je Erdteil, zu platzieren mit einem neu gepflanzten Baum in der Stiel-Aussparung: Objekte, die auf die Dauer von unübersehbar vielen Generationen als weltumspannendes Schmiede-Denkmal angelegt sind.

Dies im Übrigen ist nur eines von zahlreichen Projekten des Künstlers, der auch viel mit Kindern arbeitet – selbstverständlich lernte sein Sohn bereits im Kindergartenalter bei ihm, wie man einen Nagel schmiedet! Der aber auch das materielle Erbe von unzähligen Schmieden (auf)bewahrt und eigens ein Archiv in Form einer Stiftung dazu festgeschrieben hat. Die Perlen-Gäste zeigten sich sichtlich beeindruckt – einige erklärten sich sogar gerne zu einer zweiten Fahrt mit demselben Ziel bereit.

Nach einer Kaffeepause inmitten der Schmiedewerkstatt neben dem Schmiedefeuer, bewirtet von Rimkus‘ Frau Christine, einer Violinistin und Sängerin, ging es weiter in die Innenstadt von Völksen. In der mittelalerlichen kleinen Johanneskirche beschlossen wir den Ausflug in Hannovers Westen mit „Bläsern satt“, einem klassischen Bläserkonzert mit Studierenden aus der Trombone Klasse von Prof. Jonas Bylund, Soloposaunist und Dozent an der HMTMH. Die Reihe Konzerte im Kirchgarten hätte ihrem Namen fast gerecht werden können, so gut spielte das Wetter mit – doch man entschied sich doch lieber, sich im ausreichend geschützten und bestuhlten Kircheninnern niederzulassen um den elf Bläser/innen zu lauschen, die sich auf Stücke aus elf Jahrhunderten konzentriert hatten – zum Teil in hauseigener Bearbeitung. Jonas Bylund, mit seiner Klasse bereits zum zweiten Mal in der Kirche zu Gast, überraschte mit einem abwechsungsreichen und stimmungsvollen Programm mit hervorragenden Solisten. Die ausgedehnte Pause genossen die Gäste bei einem Glas Wein dann tatsächlich im sonnigen Kirchgarten. Die Abholung der Kulturperlenfahrer durch den Bus erfolgte dann wenige Meter von der Kirche entfernt als terminliche Punktlandung, sodass die Fahrt wie angekündigt gegen 19.30 Uhr am Kröpcke enden konnte.

Treffpunkt: Stadtbahnhaltestelle Stadionbrücke, 13.00 Uhr

Abfahrt: 13.15 Uhr, Rückkehr: ca. 19.30 Uhr

Kosten: 28,00 €, Mitglieder 23,00 €

Künstler-Retrospektive auf dem Land und „deutscher Humor“ a cappella

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die letzte Kulturperle im Jahr 2018 stieß auf außerordentliches Interesse – mehr Teilnehmer, als sich angemeldet hatten, fanden sich an der Kröpcke-Haltestelle ein, sodass der übliche Linienbus nicht ausreichte und gegen einen Gelenkbus ausgetauscht werden musste. Zum Glück war das für die Üstra kein Problem, unser Fahrer steuerte kurzerhand den Betriebhof an und wir stiegen in das größere Fahrzeug um. Uetze war nach einer guten Dreiviertelstunde erreicht, wo uns Karl-Heinz Bethmann bereits an der Einfahrt zu seinem Anwesen begrüßte. Nach dem Eintreten in das alte Fachwerkhaus, in dem der Künstler sein Atelier eingerichtet hat, staunten die Teilnehmer: In den niedrigen, von alten Öfen beheizen Räumen erwartete sie eine perfekt arrangierte Ausstellung auf auf strahlend weißen Wänden, aufgelockert durch die alltäglichen Lebensspuren des Künstlers: Beim Passieren der historisch anmutenden Küche, des Musikzimmers oder beim Inspizieren des Ateliers, wo natürlich jede Menge Malutensilien, Bilder und kleine Skulpturen in Regalen und auf Borten lagern, aber auch eine große Musikanlage samt Boxen für Inspirationen sorgt. Einen besseren Zeitpunkt hätte man für einen Besuch des Ateliers kaum wählen können: Denn der wenig auf Öffentlichkeitswirkung bedachte Bildhauer und Grafiker bereitete gerade seine erste große Retrospektive vor, die am 3. November eröffnet wird. Bethmanns grafischen Arbeiten präsentieren sich weitgehend abstrakt schwarz auf weiß – Anklänge an natürliche und körperlichen Formen scheinen mehr oder weniger deutlich durch, oftmals reduziert auf klare und prägnante Grundformen und Umrisse. In einigen Fällen werden sie – nach offenbar weidlicher Überlegung – um die Farbe Blau erweitert, worauf sogar eine Collage in der Küche mit einem Augenzwinkern hinweist, auf der Angela Merkel dem Künstler anerkennend die Hand schüttelt. Einige der Teilnehmer können sich noch gut an Bethmanns Zusammenarbeit mit der Tanzperformancekünstlerin Ursula Wagner erinnern, mit er gemeinsam mehrere Tanzperformances gestaltet hat.
Der Weg zur nächsten Station führt verkehrsbedingt über einige Umwege nach Hemmingen und zum Café Webstuhl, das an diesem schönen Nachmittag bereits bestens besucht ist – nicht wenige Gäste haben keinen Platz mehr gefunden, nicht zuletzt, weil wir 32 Plätze reserviert haben! Der Service in dem mit viel Kunst und Kunsthandwerk dekorierten Wintergarten-Café klappt hervorragend, und die Gäste genießen etwa die köstlichen, mit Buchweizen gebackenen Preißelbeer- und Eierlikörtortenstücke.

Um 18 Uhr schließlich folgt nach der kurzen Fahrt zur Pattenser St. Lukas-Kirche der Höhepunkt des Tages: das ausverkaufte Konzert der A-cappella-Band Medlz – einer Combo, die sich an diesem Abend unter dem Titel „Heimspiel“ auf Einladung des Kulturzentrums bauhof Hemmingen ganz dem deutschen Liedgut jeglicher Couleur verschrieben hat: Es werden ausschließlich deutsche Titel gesungen, und zwar von Beethovens Ode an die Freude, Udo Lindenberg und den Prinzen bis zu Clueso und Rammstein. Auf fremdsprachige Bezeichnungen verzichteten die vier weitgehend in der von beeindruckenden Lichtspielen inszenierten Kirche – so gab es die Veröffentlichungen der Gruppe anschließend am „Tonträgerstand“ zu erstehen, und umgezogen wird sich schlicht in der Garderobe statt im „Backstagebereich“. „Ein Ohrenschmaus und Augenweide für das Publikum!“, befand KRRH-Vorstand Vera Brand.

Ijacking auf dem Entdeckertag

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf dem Entdeckertag war der KulturRaum – wie gewohnt – gleich neben der Kröpcke Uhr zu finden. An diesem Tag galt es ein ganz besonderes Projekt zu präsentieren: IJACKING, ein Parcours mit virtuellen Kunstinstallationen an mehreren Orten in der Innenstadt, den Harro Schmidt von der Kunsthalle Faust organisiert hatte und auch vor Ort vorstellte.

Mit einer App können sich dabei Kunstinteressierte via QR-Code-Scan virtuell Arbeiten internationaler Künstler in den per Smart-Phone-Kamera aufgenommenen Raum zaubern. Der Raum um die Kröpcke-Uhr bildete das Zentrum des Projekts: Gleich drei Installationen waren hier rund um das heimliche Herz der City zu entdecken – darunter eine Arbeit des hannoverschen Totalkünstlers Timm Ulrich („Ich kann keine Kunst mehr sehen“) und ein Kabeljauschwarm des US-amerikanischen Künstlers Will Pappenheimer, der gen Himmel kreisend zu verschwinden droht. Hört sich kompliziert an – aber sobald die App mithilfe des kostenfreien WLAN-Zugangs Hannover Hotspot installiert und ein QR-Code auf einem der Sterne auf dem Pflaster oder auf der Uhr gescannt wird, lassen sich Werke ganz einfach betrachten. Die reale Umgebung ist auf einer weiteren Ebene noch ein zweites Mal mitsamt der Kunst erlebbar. Noch bis zum Ende des Monats läuft das Projekt, das für Smart-Phone, iPhone- der iPad-Besitzer jederzeit zugänglich ist. Hier eine Bericht des NDR über das Projekt.

Außerdem stellten die KulturRaum-Macher Verein und das KulturPerlen-Projekt vor. Die letzte Kulturperle des Jahres findet am 28. Oktober statt.

Christine und Vera

Beeindruckende Torten, klassische Cello-Fagott-Klänge und engagierte Künstler

… gab es bei der ersten Kulturperle am 22. April 2018 zu genießen. Bei herrlichem Sonnenschein ließen sich die Teilnehmer auf Wegeners Hof riesige, köstliche Tortenstücke schmecken …

… lauschten in der Abtei Wunstorf Werken von Hus-Desforges, Vivaldi, Chopin und Rossini – darunter Bearbeitungen berühmter Opern wie „Der Barbier von Sevilla“  für Cello und Fagott, dargeboten von dem jungen Künstlerduo Yingtuo Zhang und Kristian Petkov, die anschließend bei einer Erfrischung für Gespräche zur Verfügung standen …

… und ließen sich zum Schluss den Kunstraum Benthe vorstellen. Neben Vorstand Rainer Janssen, der die Struktur des Kunstraums erläuterte, der allein von einer Handvoll Künstlern organisiert wird, waren auch die Mitglieder Francesco Lamazza und Nigel Packham gekommen, um sich mit den Kulturperlenbesuchern zu unterhalten. Aktuell war dort eine Ausstellung mit Bildern des hannoverschen Künstlers Walter Kreuzer zu sehen, der seine Bilder dem „Magischen Realismus“ zuordnet. Als interaktive Zugabe hatte Kreuzer in einem Raum sieben Skizzen zum Tod von Martin Walser ausgestellt, von denen die Besucher die schönste auswählen sollten. Die beliebteste Skizze beabsichtigt er nach Abschluss der Ausstellung weiterzumalen.

 

Hingeschaut – 2. Pecha-Kucha-Abend der Kultur am 25. Januar im Ballhof-Café

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zu seinem zweiten Pecha-Kucha-Abend am 25. Januar hatte der Verein ganz unterschiedliche Kulturschaffende eingeladen, sich und ihre Projekte vorzustellen.  In jeweils sechseinhalbminütigen Vorträgen und anschließender Gelegenheit zu Vertiefung des jeweiligen Themas gab es jede Menge Anregendes zu erfahren.
Theatermacherin Anne-Stine Peters stellt ihr Projekt „Die Zukunft der Liebe“ vor, beim dem sie und ein Team aus Theaterkollegen mit einem Wohnwagen durch Hannover zogen und Passanten einluden, ihre ganz persönlichen Gedanken, Wünsche und Hoffnungen zur Liebe in der Zukunft zu äußern. Das Ergebnis wurde transkribiert und wird nun umgesetzt in ein Theaterstück, das vom Jungen Schauspiel aufgeführt wird.

Jan-Philippe Lücke, Maler und engagierter Bewohner des Ihme-Zentrums, schilderte, wie er in dem umstrittenen Gebäude dank einer „Zukunftswerkstatt“ mit Ateliers und kreativen Ideen eine lebendige Kulturszene zu etablieren versucht. Begeistert von diesem kulturvermittelnden Ansatz zeigte sich der dritte Speaker, Prof. Dr. Manfred Blohm, Professor an der Universität Flensburg mit Wohnsitz in Hannover und Gründer diverser Studengänge. Er stellte seine Idee vor, einen neuen, multidisziplinären (Aufbau-)Studiengang „Künste in der Stadt“ einzurichten, der in Theorie und Praxis vor dem Hintergrund der Bewerbung der Stadt als Kulturhauptstadt überregional für Furore sorgen soll.

Kulturwissenschaftler Dr. Peter Struck hatte seinen Filmprojektor mitgebracht. Er erzählte vor der nostalgischen Kulisse eines historischen 16-mm-Films von seinem Filmkunstraum KRONENSIEBEN, in dem er regelmäßig sein Wohnzimmer in einen Kinosaal verwandelt. Ercan Carikci hingegen, der sich selbst als „Zieleerreicher“ mit dem Schwerpunkt „Coaching, Kunst und Managment“ bezeichnet, nutzte das Podium als Bühne für eine Perfomance: Stichworte wie „Seele“, „Veränderung“ oder „Choreografie“ dienten ihm als Anhaltspunkte zu einer ungewöhnlichen Art der (Selbst-)Darstellung. Dazu gehörte neben einer Gesangseinlage auch eine Aufforderung an Publikum, selber Teil einer Choreografie zu werden.

Um Inszenierung in ganz anderer Form ging es in der Präsentation von Felix Reinhold: Er setzt Gebäude wie die Marienburg oder die Mühlen in Gifhorn mit spezieller farbiger Beleuchtung in Szene und verleiht ihnen in der Dunkelheit eine ganz eigene Atmosphäre. Seinen stimmungsvollen Bilder bildeten den Abschluss des Abends, gekrönt vom „Protokoll“ des KulturRaum-Vorstandsmitglieds Jörg Lohmann, der alle Beiträge via Graphic Recording auf einem Flipchart dokumentiert hatte.