Dirk von Werder liest aus „Elsbeth’s Reise“

Es war eine Premiere, die die Gäste des KulturRaum Region Hannover am 17. Oktober im Tiemann’s Restaurant miterleben durften: In der ersten öffentlichen Lesung seines neuen Werkes „Elsbeth’s Reise“ stellte ihnen Dirk von Werder, Journalist und langjähriger Redakteur der Neustadt-Ausgabe der HAZ, sein neues Buch noch vor seinem Erscheinen vor, musikalisch begleitet von Jose Altiveros. Bei den Recherchen unterstützt von Lindwedels ehrenamtlichen Bürgermeister Artur Minke, der ebenfalls zu den Gästen gehörte, erzählte er aus verschiedenen Perspektiven von jenem folgenschweren Bombenabwurf eines vermutlich amerikanischen Piloten am 15. Oktober 1944 auf einen Zug im Bahnhof von Lindwedel. Wie man später recherchierte, kostete der Anschlag 460 Menschen das Leben. Erst 40 Jahre später wurde das Ereignis öffentlich in einem Zeitungsartikel beschrieben, der von Werder als Ausgangspunkt für seine Recherchen diente.

Als Zeitzeugin hat von Werder die heute 86-jährige Elsbeth befragt, die damals mit ihrem Großvater fast durch ein Wunder das Unglück überlebte. Die Folgen der Detonation, die die Bombe in einem mit Sprengstoffwaffen beladenen Güterzug auf dem Bahnhof auslösten, lösten schwerste Verwüstungen aus – so wurden Teile des Zuges und sogar Leichen mehrere Hundert Meter weit geschleudert und landeten mitten im Dorf. Von Werder ließ neben Elsbeth auch weitere Zeugen zu Wort kommen, darunter auch Anwohner des Dorfes, die sich in einen Bunker flüchten konnten. Von Werder ließ neben Elsbeth auch weitere Zeitzeugen zu Wort kommen, darunter auch Anwohner des Dorfes – damals noch Kinder –, die sich in einen Bunker flüchten konnten.

Dirk von Werder hat im vergangenen Jahr bereits den Krimi „Das Drama von Hof 11“ veröffentlicht, für den er tief in den Archiven seines Wohnortes Vesbeck geforscht hat. Er entwirft hier ein lebendiges Bild eines Dorfes in der Nachkriegszeit, in dem die Infrastruktur noch intakt war und Fremde es nicht leicht hatten. Mit „Elsbeths Reise“ hat er eine vergleichbar lokalhistorisch angereicherte, mit zahlreichen Bildern versehene Erzählung erstellt, diesmal aus dem Blickwinkel der Kindheit und akribisch recherchiert, um einem von den Medien und der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtetes Ereignis die Aufmerksamkeit zu verschaffen, das es verdient hat, wie die KulturRaum-Vorsitzende Vera Brand ausführte: „Gerade heute, in Zeiten, in denen der Krieg immer noch allgegenwärtig, aber scheinbar weit weg ist, ist es umso wichtig, unsere eigene Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren.“

Über den Autor: Dirk von Werder, geboren am 24. Juni 1958, ist im Neustädter Land tief verwurzelt. Doch statt den elterlichen Hof zu übernehmen und als Bauer dort Land zu bewirtschaften, landete er im Lokaljournalismus, der ihm zur Herzensangelegenheit wurde. Fast drei Jahrzehnte widmete er sich dem Geschehen im Norden der Region Hannover, in erster Linie in seiner Heimatstadt Neustadt am Rübenberge. Der stete Kontakt zu Menschen jeden Alters und Werdeganges hat ihn geprägt, auch nach dem Abschied vom aktiven Journalistenleben blieb das Interesse an Leben, Freud und Leid dieser Menschen. Sowie die Überzeugung: ein jeder von uns ist ein Kind seiner Zeit – aber auch ein Kind der Geschichte seiner Vorfahren. Diese Überzeugung schlägt sich in Dirk von Werders aktuellen Arbeiten nieder.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „KulturPerlen“ des KulturRaum Region Hannover statt.

Tiemann’s Restaurant

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