Goldener Oktober im Berggarten

  • Teich im Berggarten

Die zwei Stunden auf unsrer zweiten Kulturperle am 25. Oktober vergingen wie im Flug! Mit spürbarer Begeisterung führte uns der Naturwissenschaftler Alexander Murdoch von NaTourWissen von der Prärie über den Bambusgarten bis ins Paradies. Seine anschauliche Führung sprach alle Sinne der 20 Teilnehmenden an. Riechen, fühlen ja, sogar schmecken konnten wir die prachtvolle herbstliche Pflanzenwelt. Der abschließende Kaffee- und Kuchengenuss in der Schlossküche krönte diese KulturPerle wahrhaft königlich!
Text und Fotos: Vera Brand 

Der Engesohder Friedhof – ein Promi-Treffen historischer Natur

Die erste KulturPerle im Jahr 2020! Unser „Best-of KulturPerlen“-Programm startete mit einer Friedhofsführung. 30 Besucher lauschten interessiert den ausführlichen Erläuterungen des Historikers Peter Schulze, der den Engesohder Friedhof für seine mit persönlichen Erfahrungen gespickten Erläuterungen hervorragend als Bühne zu nutzen verstand – und dennoch den hier begrabenen Hannoveranern seine volle Aufmerksamkeit zollte. Illustre Persönlichkeiten von Kurt Schwitters, Georg Ludwig Friedrich Laves, Heinrich Tramm bis zu Flohmarkt-Erfinder und Stadtimagepfleger Mike Gehrke liegen hier begraben – und dazwischen „ganz normale“ Hannoveraner, darunter auch Angehörige einiger Kulturperlenbesucher. Historische politische Entwicklungen sprach Schulze ebenso an wie die Rolle der hier begrabenen Persönlichkeiten oder die bauliche Entwicklung der Zentralfriedhofes, dessen Anlage und Struktur sich nach stadtpolitischen Erwägungen entwickelte: der Friedhof als Spiegel der Politik, aber auch als Ausdruck der ästhetischen Vorstellungen der jeweiligen Zeit.

#WhenWeStayedAtHome

Eine Videoinstallation in der Kröpcke-Uhr zeigt das Leben in Deutschland in Corona-Zeiten

16. Juni – 16. August 2020

Eine Dokumentation über das Leben in Zeiten von Corona zu erstellen: Diese Idee hatten Andreas Barthel und Susi Duhme zu Beginn der Corona-Krise im März des Jahres. Sie forderten Kreative auf, ihnen selbst aufgenommene Filmsequenzen aus ihrem Leben zuzusenden, und montierten diese zu einem 45-minütigen Film. Das Ergebnis ist jetzt bis 16. August in der Kröpcke-Uhr zu sehen.

Zu Beginn der Corona-Beschränkungen im März 2020 haben Susi Duhme, Andreas Barthel und Markus Keese von der independent entertainment GmbH über ihre Netzwerke und die Medien Kreative aufgerufen, ihnen maximal 30-sekündige Filmesequenzen über ihr Leben in Zeiten der Corona-Isolation zu schicken. Der Inhalt war freigestellt. Über 60 Tage sammelten die drei das eingesandte Material. „Es kamen Einsendungen von ganz unterschiedlichen Altersgruppen“, sagt Andreas Barthel – unter anderem von Cody Stone und Matthias Brodowy. Sogar Beiträge aus Paraguay und Südafrika waren darunter. Entstanden ist eine 45-minütige Videocollage. Sie zeigt Menschen, Tiere und Natur in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens, kurze Szenen von der Konzertaufnahme im Homeoffice über Spiele mit den Kindern, Zustandsberichte und Spaziergänge bis hin zum kleinen Sketch. Die Szenen stehen sowohl im Gleichklang als auch in Kontrast zueinander. Auf eine Verortung oder Kommentierung seitens der Produzenten wird verzichtet. „Was der Film deutlich macht: Einsamkeit, Angst und Spaßgesellschaft liegen dicht nebeneinander“, fasst Barthel zusammen.

Er verspricht: Auch noch beim zweiten oder dritten Betrachten eröffnen sich immer wieder neue Ebenen und Blickwinkel.

Die Installation in der Kröpcke-Uhr ist vor Ort ohne Ton zu sehen. An der Uhr verweisen QR-Codes auf einen Dauerstream im Internet, der parallel zum Monitor in der Uhr abläuft. Darüber hinaus kann der Film ab dem 1. Juli hier im Internet angeschaut werden.

Ideengeber und verantwortlich für das Projekt sind die Filmemacher Susi Duhme (*1963) und Andreas Barthel (*1974). Mit ihrer Filmfirma independent entertainment GmbH haben sie bereits fünf Kinofilme produziert. Duhme und Barthel sind darüber hinaus im Organisationsteam der Obdachlosenweihnachtsfeier aktiv. Aktuell arbeiten sie am Kinofilm „Warte, warte nur ein Weilchen“, der im Herbst – sofern möglich – in den Kinos starten soll.

Markus Keese (*1974) ist Unternehmer im Bereich der IT-Sicherheit und Netzwerktechnik. Er ist ehrenamtlich bei der Obdachlosenhilfe und im Umweltschutz tätig und engagiert sich im Bereich Kunst und Kultur, unter anderem mit seinem Projekt Culture Garage. Er hat die Homepage des Projektes erstellt und ist für die Wiedergabe in der Kröpcke-Uhr verantwortlich.

Beyond Corona

Eine Installation in der Kröpcke-Uhr

Viele Menschen in Hannover engagieren sich in Zeiten von Corona dafür, Solidarität mit anderen zu leben und positive Impulse für die Zukunft zu geben. Die neue Installation in der Kröpcke-Uhr, die gemeinsam mit dem Freundeskreis Hannover gestaltet wurde, stellt einige dieser Projekte und Angebote vor. Ziel all dieser Aktivitäten ist es, auch in der Phase einer zunehmenden Lockerung des Lockdowns den Weg hin zu einem gerechteren, freundlicheren und nachhaltigen Hannover zu ebnen.

Jede Themensäule der Installation repräsentiert anhand der vier Säulen „HELFEN – LERNEN – MACHEN – WUNDERN“ ein Solidaritätsangebot oder künstlerisches Projekt.

HELFEN – die Corona-Hilfen und Solidaritätsangebote in Hannover, die der Verein Freundeskreis Hannover e.V. zusammengestellt hat. LERNEN – steht für das Kartenspiel „32 Klimatrümpfe“, anhand dessen sich ein klimafreundlicher Lebensstil spielerisch entdecken lässt. MACHEN – weist auf den Onlinesummit FOR FUTURES hin, der zu Pfingsten dazu einlädt, konkrete, zukunftsfähige Lösungsansätze zu entwickeln. WUNDERN – bezieht sich auf das Buch MAKE WORLD WONDER, das im Sommer 2020 erscheint, und Erfolgsgeschichten für ein gutes Morgen erzählt.  Weitere Informationen zu diesen Themen-Impulsen sind jeweils über einen QR-Code einfach abrufbar.

Initiatoren der Installation „Beyond Corona. Für die Welt, die wir uns wünschen.“ sind die Vereine Freundeskreis Hannover e.V. und Kulturraum Region Hannover e.V. Konzipiert wurde die Installation vom hannoverschen Künstlerduo Joy Lohmann (soziale Skulptur, Illustration und Konzeptkunst) und Stephanie Ristig-Bresser (Kulturwissenschaftlerin und Autorin). Beide fühlen sich den Artists For Future Hannover verbunden.
Die Installation wird bis zum 25. Juni zu sehen sein.

„Angefühlt“ – ein etwas anderer Abend nach Pecha-Kucha-Art

  • Emil-und-Lena-bei-Pecha-Kucha von Kathrin Symens ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht kommerziell 4.0 International Lizenz.

Wie fühlt es sich an, wenn … man in eine fremde Umgebung und Kultur kommt und sich dort erst zu behaupten lernen muss? Oder wenn man einen neuen, unbekannten Stoff in ein Kleidungsstück verwandeln möchte? Oder wenn Musik so wichtig wird, dass sie das ganze Leben beherrscht? Der KulturRaum Region Hannover hat am 21. Januar kreative Köpfe auf und abseits der etablierten Bühnen vorgestellt, die auf ihrem jeweiligen Gebiet Experten dafür sind, wie sich etwas „anfühlt“.

Es war ein abwechslungsreicher Abend: Zu Beginn stellte der stellvertretende Vorsitzende des KulturRaum Region Hannover, der für die erkrankte Mansha Friedrich einsprang, sein künstlerisch-ökologisches Konzept der „schwimmenden Inseln“ vor. Die nachhaltig auf Recyclingmaterial und ressourcenschonende Materialien aufgebauten Inseln können an fast jedem Ort der Welt erstellt und selbst in Hochwassergebieten eingesetzt werden – und zur Versorgung der dort lebenden Menschen beitragen.

Als dritten Beitrag schilderten Lorena Winkler von Wayom und Stefanie Sierverding von doerpwicht die furchtbaren Bedingungen, unter denen in Asien die Menschen ausgebeutet werden, um billig Mode für unsere westlichen Konsumenten zu produzieren. Als Kontrast stellten sie ihre unter nachhaltigen und ökologischen Gesichtpunkten produzierte und im Lindener House of Camey vertriebene – großenteils selbst genähte – Designergarderode vor, die von Model Franziska auch vorgeführt wurde.

Yara Eid von der theaterwerkstatt im Pavillon musste aus dem Iran fliehen und sich in Deutschland eine neue Existenz aufbauen. Die ausgebildete Tänzerin und Choreographin, berichtete von ihren Problemen dabei und von ihrem neuen Stück „Herzlich Willkommen“, in dem sie ihre Erfahrungen mit zwei TänzerInnen und einem Musiker verarbeitet. Szenen aus dem Stück wurden an einer Wäscheleine angeheftet und konten nach der – wie alle anderen Präsentationen per Wecker gestoppten sechseinhalbminütigen Show – eingehend auf der Bühne begutachtet werden.

Nach der Pause, die rege für den Austausch genutzt wurde, war die Hausherrin Barbara Kantel an der Reihe, die mit sichtlicher Begeisterung für das Thema das mithilfe des mobilen „Love-Trucks“ konzipierte Stück „Wissen macht Lust – what the fuck“ vorstellte. Per Umfragen vor Ort wurden bei einer Tour durch Hannover Jugendliche zu ihren (Grenz-)Erfahrung mit Sexualität und Gewalt befragt, was in das Stück mit einfloss.

Ein tänzerisches Highlight zum Mitmachen boten der Leiter der Salsa del alma-Tanzschule Emil Moise und seine Frau Lena zum Abschluss des Abends: „Salsa – ein Lebensgefühl“ hatte Moise seinen Beitrag übertitelt, und genau darum geht es dem studierten Physiker: beim Salsa die Lust am Leben zu entdecken und immer wieder aufs Neue als kleine Auszeit in Sachen Lebensfreude und Krafttanken zu zelebrieren. Alle Anwesenden waren nach einem gemeinsam mit seiner Frau vorgeführten „Appetizer“ in Sachen Salsa-Tanz zum Mitmachen aufgefordert und wurden zu einer Schnupperstunde eingeladen (ich bekam sogar eine kleine Portion Exklusivunterricht!).

Den Gästen hat es offenbar gefallen – was nicht zuletzt die vielfach großzügigen freiwiligen Spenden der Gäste bewiesen. Und so viel darf ich verraten: Wenn auch noch nicht das Datum, das Motto für den nächsten Abend steht bereits fest.

„It could be you“

So lautet der Titel einer Videoinstallation des hannoverschen Filmemachers Andreas Barthel, die am 4.12. an der Kröpcke-Uhr mit Unterstützung durch das Café Bollerwagen und den Fury-in-the-Slaughterhouse-Musiker Christoph Steinschneider eröffnet wurde.

Andreas Barthel hat für seinen Film Obdachlose an den Schlafstätten besucht und stellt seine minimalistischen filmischen Porträts nun im Herzen der Stadt in Kontrast zum vorweihnachtlichen Einkaufsrummel vor.
Barthel ist ebenso wie Christoph Steinschneider Organisator Obdachlosen-Weihnachtsfeier (15.12. im HCC) und hat mit seiner Filmproduktionsfirma independent entertainment mit Susi Duhme unter anderem auch Kinofilme zu gesellschaftsrelevanten Themen produziert. Mit „It could be you“ möchte er das Augenmerk auf die Menschen lenken, die auch in der „besinnlichen“ Adventszeit in der Kälte auf der Straße leben.
Titelgeber der Arbeit ist Rainer Schumann (Fury in the Slaughterhouse), der im Rahmen einer Obdachlosenweihnachtsfeier erzählte, wie er einen alten Freund auf der Straße getroffen hatte und sich dadurch bewusst wurde: „… das hier könnte auch ich sein, man muss nur einmal im Leben eine andere Richtung wählen, und schon ändert sich unser Schicksal“.
„It could be you“ ist in der Kröpcke-Uhr vom 4.12. – 15.1.2020 zu sehen.

Die Installation wurde am 4. Dezember mit Kröpcke-Kurator Joy Lohmann, Filmemacher Andreas Barthel, Silke Lüke vom Café Bollerwagen und Christoph Steinschneider, Mitorganisator der „DIE!!! WEIHNACHTSFEIER“ für Obdachlose am 15.12. im HCC eröffnet.

Bilder: Lars Setzpfand

Ein Einblick in die Galeristenszene und ein großartiges Sounderlebnis

Die letzte KulturPerlenfahrt des Jahres wartete mit zwei Highlights auf: Die Galerie Depelmann in Langenhagen, eine der sehr wenigen internationalen Galerien in der Region Hannover, gibt es bereits seit 41 Jahren. Sie vertritt einen Stamm an zeitgenössischen Künstlern, den sie seit Jahren betreut, in den eigenen Räumen und auf Messen und produziert für sie Kataloge. Kunsthistorikerin Frauke Engel erläuterte den Besuchern, wie die Galerie, die zugleich als Kunsthandlung und Verlag fungiert, arbeitet und stellte die abstrakten, von der Natur abgeleiteten Werke des renommierten Schweizer Künstlers Josef Ebnöther vor. Seine Ausstellung war zwei Wochen zuvor eröffnet worden.

Der zweiten Station der Fahrt fieberten die Jazz-Fans unter den Teilnehmern (und das waren so einige!) bereits entgegen: Im Tonstudio Tessmar gab es nach Kaffee und Kuchen und einer Einführung in die Arbeit des Studios ein hochkarätiges Konzert des Jazztrios The Ellingtones zu erleben, das live aufgenommen wurde. Die Zuhörer blieben dabei in dem mit perfekter Akustik versehenen Raum mucksmäuschenstill, bis der letzte Ton verklungen war – um dann aber um so mehr Beifall zu spenden. Auch eine Zugabe wurde noch erfolgreich eingefordert.

Karl Tessmar hat aus seinem Hobby eine Profession gemacht: In seinem hochmodernen, insgesamt 1200 Quadratmeter umfassenden Tonstudio wird im Audio-3-D-Verfahren aufgenommen. Das Ergebnis der Aufnahme wurde den KulturPerlenfahrern anschließend präsentiert: Aus 24 Lautsprechern erschallten die Stimmen der einzelnen Instrumente von allen Seiten und verwandelten den Raum in einen einzigen, umfassenden Klangkosmos. Toll!

„Happy“ Flashmob und Jubiläumstorte auf dem Entdeckertag

Wir haben für euch hier ein paar Eindrücke zusammengestellt. Der Happy-Flashmob wurde aber auch gefilmt – aus der Aktion ist ein tolles Video geworden, das ihr hier sehen könnt!

Die Torte war der Hit – binnen kürzester Zeit bildete sich eine Traube rund um den Stand, an dem anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Café Kröpcke Himbeertorte verteilt wurde. Ein wenig Warten lohnte sich aber – war echt lecker!
Joy Lohmann, Stellvertretender Vorsitzender des Vereins, hielt den Taktstock für den Flashmob in der Hand (Na ja, in Wirklichkeit war es das Messer für das Anschneiden der Torte ;-)). Der Text für den Flashmob-Gesang „Happy“ von Pharell Williams wurde bei uns am Stand verteilt. Von der Jazzbühne herab sangen niedersächsische Chöre …

… begleitet vom Beatboxing aus der Uhr!

Bewegte Grafiken bei Dietmar Griese und bewegender Glaube in der Pagode Vien Giac

Eine eindrucksvolle Fahrt durch den Süden der Landeshauptstadt: Wir besuchten den Grafiker, Kunstpädagogen und Illustrator Dietmar Griese, der in seinem Haus eine kleine, sehr individuelle Galerie mit seinen Werken betreibt. Den größten Teil seiner Werkschau im Dachgeschoss des Hauses nehmen Arbeiten ein, in denen er in einem Freibad festgehaltene Bewegungsstudien in abstrakte grafische Formen umsetzt – alles in Schwarz und Weiß. In Grieses neuesten Werken war zu beobachten, wie sich der ehemalige Illustrator immer stärker von realistischen Eindrücken löst und in seiner eigenen Formensprache der Linien- und Formgestaltung der Motive – scheinbar freien – Lauf lässt.

Im Südtorcafé stärkten sich die Kulturperlenfahrer mit Apfelkuchen und Kaffee. Nächstes Ziel war das Kloster in der Pagode Vien Giac. Dort steht der buddhistische Glauben, wie er in Vietnam gepflegt wird, im Mittelpunkt. Vien Giac ist die größte Pagode Deutschland und beherbergt zudem ein vietnamesisches Kulturzentrum. Bei einer Führung durch die weitläufigen Räumlichkeiten hieß es zunächst für alle „Schuhe ausziehen!“ Dann ging es zuerst in den großen Gebetsraum. Anschließend erhielten die Kulturperlenteilnehmer unter anderem Einblicke in die Bibliothek und in die weiteren Räumlichkeiten sowie den Außenbereich des Geländes.

Drohnenflüge, Teatime und Punkrock beim Pecha-Kucha-Abend der Kultur

Nach sechseinhalb Minuten klingelte bei jedem Beitrag die Eieruhr: Rund 60 Besucher erlebten beim dritten Pecha-Kucha-Abend der Kultur Witziges, Ideenreiches und eben „Abgedrehtes“.

Die Kunsttherapeuten der Gruppe von Dr. Anne Wilkening machten den Anfang: Drei von ihnen stellten in einem Film psychisch labile Menschen vor, die unter ihrer Betreuung über die eigene Kreativität zu neuer Lebensfreude finden und ihre Werke auch ausstellen, wie etwa unlängst im Rathaus in Garbsen. Einige der dabei entstandenen, teils professionell wirkenden Arbeiten hatten die Künstler auch mitgebracht und stellten sie auf der Bühne aus. Für die Filmkunst abseits des Mainstream engangiert sich Johannes Thomsen mit seiner Frau Wiebke im kleinsten Kino der Welt, dem Lodderbast, der als Zweiter auftrat. Das Paar zeigt dort an fünf bis sechs Tagen in der Woche nach eigenem Geschmack ausgewählte Perlen aus Filmkunst und Genrekino. Die Konkurrenz großer Programmkinos bereitet Thomsen keine Sorgen, wie er berichtete – im Gegenteil: „Wir gehen auch mal mit unseren Gästen mit einem Wegbier in der Hand rüber zum Raschplatzkino, wenn dort ein Film läuft, den wir wichtig finden.“ Kooperationen etwa mit der Eisfabrik und dem Hofer Filmtagen bereichern das Angebot. Und regelmäßig sind zudem Filmregisseure in dem nur 20 Plätze umfassende „Wohnzimmer“ an der Berliner Allee zu Gast, um ihre Werke vorzustellen. Das „House of Many“, die Aktivitäten junger theaterbegeisterter MigrantInnen, wurde anschließend von der Dramaturgin und Leiterin des Jungen Schauspiels Barbara Kantel präsentiert – eine Initiative, zu der sie alle Zuschauer und Interessierten herzlich einlud mitzumachen. Die jungen Leute wählen ihre Themen selbst und bearbeiten sie musikalisch, mit Texten und in philosophischen Vortägen auf einer Open Stage.

In der Pause servierten Frauen des Soroptimist Club Hannover 2000 Handhäppchen auf „abgedrehten“ Singles zugunsten des Ballhof-Cafés. Zu Beginn des zweiten Teils sprintete Thommi Baake mit einem antiken weißen Koffer auf die Bühne, aus dem er anstelle von virtuellen Bildern allerlei Utensilien zur Veranschaulichung seiner zahlreichen Bühnenaktivitäten zauberte – eine „analoge Power-Point-Präsentation“, wie er es nannte. „Alles außer Ballett und Kunst“ macht er nach eigener Aussage – und das scheint nicht übertrieben: Im schrillen rit-weiß gemusterten Anzug absolvierte der Comedian einen Sechs-Minuten-Ritt durch sein beeindruckendes Bühnenleben der vergangenen rund 30 Jahre. Die letzten Minuten seiner Präsentation nutzte er allein für eine schier endlose Aufzählung seiner bislang vollführten Tätigkeiten – Teeologe und Filmverführer waren nur zwei davon.

Sein bürgerlicher Beruf als Pressesprecher von Enercity ist nur eine Seite von Carlo Kallen: Dear Gründer der Punkrockband Brutal verschimmelt und Autodidakt an Bass und Schlagzeug definiert seinen wichtigsten Beitrag weniger über sein Talent an den Instrumenten denn über das „grimmig Gucken“ an den Drums. Seine in Kempten in früher Jugend gegründete und wenig später aufgelösten Punkband erlebte 2014 ein Revival, man ging sogar auf Tour. Auf einmal, so berichtet Kallen, kursierten Videos und Aufnahmen alter Songs im Netz, die LP wurde zur gesuchten Rarität und das Band-Logo wurde von einer Münchner Band als „Brutal verbimmelt“ zu einer Hommage an die Hobbymusiker und ziert nun T-Shirts, wie Carlo am eigenen Leib demonstrierte. Nach Re-Release alter Songs auf Samplern in den vergangenen Jahren steht nun der nächste Auftritt mit seiner neuen Band TLR auf dem Fährmannfest (9.–11. August) an. Den Abschluss bildete Profifotograf und Kameramann Nikolaj Georgiew. Für Starregisseure wie Oliver Stone oder Wolfgang Petersen hat der gebürtige Garbsener technisch anspruchsvolle Kamerafahrten und -aufnahmen in allen Teilen der Welt abgedreht. Begonnen hat die Karriere beim Film Ende der 1990er-Jahre mit dem Aufstieg der damals aufwendig gedrehten und hoch budgetierten Musikvideos, die er etwa für Ex-Spice-Girl Melanie C. oder die Scorpions drehte. Beispiele von Georgiews teilweise atemberaubenden Shootings waren in einem Film mit Ausschnitten aus seinen unzähligen Produktionen für Werbung, Kino und TV zu sehen, den er für die Zuschauer kommentierte. Zur Fotografie ist Georgiew, der in den 90er-Jahren regelmäßig für die Cover des Magazins „Schädelspalter“ verantwortlich zeichnete, erst in den vergangenen Jahren wieder zurückgekehrt. Models oder Promis stehen seit nun wieder regelmäßig vor seiner Linse. So erzählte er, wie Rudolf Schenker etwa bei einem Fotobuch mit Promis mit ihren Hunden – darunter etwa Ursula von der Leyen, Johann Lafer oder Rudolf Schenker – wobei Letzterer sich mit seinem Kater ablichten ließ, der sich nach Schenkers Aussage „für einen Hund hält“.
Moderiert wurde die Veranstaltung von der Vorsitzenden des Vereins, Vera Brand. Ein rundum beeindruckender Abend – das war die einhellige Meinung der Zuschauer und auch der Beteiligten. Viele Kontakte wurde an diesem Abend geknüpft und vertieft. Das Format, so war zu hören, hat weitere Fans gefunden – und soll auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Kathrin Symens