Warum Alltagsgeschichte wichtig ist.

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Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für die vielen Menschen, die sich nicht nur für die aktuelle, aktive Kultur engagieren, sondern dabei helfen, historische Kultur zu bewahren und zu vermitteln, um zu einem besseren Verständnis der Geschichte gerade auch im Kleinen, im Alltag der Menschen beizutragen.  Daher hoffe ich, dass viele diesen Artikel lesen und dass er dazu beiträgt, das Schwarz-Weiß-Denken, das gerade in Sachen Geschichte in vielen Köpfen immer noch vorherrscht, mit aufzubrechen.

Der von Benjamin Lammertz und Sabine Staske für In Foro verfasste Artikel wurde anlässlich der Eröffnung von Bad Nenndorfs Heimatmuseum im März 2021 auf der Facebook-Seite des Museums veröffentlicht und spiegelt das Dilemma wider, dass Menschen, die Traditionen bewahren und an andere weitergeben wollen, oft mit einem falschen Bild der alten Zeiten kämpfen müssen: Denn Wikingerzeit oder Mittelalter bis hin zur Neuzeit werden oft pauschal als Geschichte der Unterdrückung von Bevölkerungsgruppen gesehen, sind von Vorwürfen der Ignoranz oder gar Dummheit geprägt. Diese Sichtweise ist oftmals verzerrt – und es gilt, sie aufzubrechen. Gerade kleine Heimatmuseen, die keine „große Kunst“ zeigen können und auch nicht wollen, sondern den Alltag der Menschen früherer Jahrhunderte, spielen hier eine wichtige Rolle, haben es aber in der Zeit von schnellem Konsum, medial passend aufbereitet, schwer. 

Daher halte ich es für wichtig, dass wir Kultur nicht nur in Form eines ergötzenden Genusses „konsumieren“, sondern auch bereit sind, uns mit der Lebenskultur der Menschen in der Geschichte auseinandersetzen.  Zu allen Zeiten hat die Kultur einer Gesellschaft ihr Leben und ihr Denken bestimmt – sie hat bestimmt, wie wir Dinge wahrnehmen und auch, was wir besser machen müssen. Wenn wir nicht auf das aufbauen könnten, was die Menschen vor uns geschaffen haben, wären wir auch nicht in der Lage, aktuelle Kultur so zu leben, wie wir es tun – ob uns das in allen Bereichen gefällt und wir es gutheißen, ist natürlich eine andere Frage. Aber neugierig zu bleiben  – vorwärts wie rückwärts, hilft uns dabei, die Gegenwart besser zu verstehen. Und das ist doch ein lohnenswertes Ziel, oder?

In Foro - Städtisches Leben um 1300

Wenn wir Unwahrheiten und Falschbehauptungen über die Geschichte widersprechen, sei es im Gespräch mit Besuchern auf Veranstaltungen, sei es bei Diskussionen im Internet, kommt sehr oft irgendwann die Frage auf:

Wen interessiert das?

Warum ist es wichtig, ob die Leute im Mittelalter sich gewaschen haben oder nicht, wie sie angezogen waren, wie ihre Häuser aussahen, was sie aßen, wie lange sie arbeiten mussten, was für Rechte und Pflichten sie hatten und ob die Kirche sie anzündete, wenn sie sich bei Erkältung extra Thymian in die Suppe streuten?

Wenn diese und andere Dinge irgendwo falsch dargestellt werden… was macht das schon aus, außer dass ein paar Geschichtsnerds sich darüber aufregen?
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„Wer nicht aus den Fehlern der Geschichte lernt, der ist gezwungen, sie zu widerholen.“
Dieses Sprichwort dürften die meisten schon einmal gehört haben.

Bis ins 19te Jahrhundert hinein war Geschichte vor Allem die Geschichte der „Großen Männer“.
Man betrachtete…

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